Glen Garioch

Glen Garioch wurde bereits um 1797 gegründet. Wenn man den Informationen der Zeitung "The Aberdeen Journal" Glauben schenken darf, dann wurde bereits um 1785 eine Destillerie in Oldmeldrum, in den östlichen Highlands, betrieben.

Sie kann auf eine der längsten, aber auch eine der wechselvollsten Geschichten verweisen, die von vielen Besitzerwechseln und von Stilllegungen geprägt ist.

Um Glen Garioch, das übrigens Glen Gierie ausgesprochen wird, gab und gibt es immer wieder Gerüchte über eine mögliche Schließung, aber die letzten 30 Jahre kann als die bisher beständigsten Periode in der langen, mehr als 200-jährigen Geschichte Glen Gariochs bezeichnet werden.

Nachdem DCL die Destillerie 1968 u.a. wegen einer unzuverlässigen Wasserversorgung geschlossen hatte, wechselte sie 1970 in den Besitz von Morrison-Bowmore. Die neuen Besitzer fanden in unmittelbarer Nähe eine neue, zuverlässige Wasserquelle, nahmen weitere Verbesserungen vor, u.a. wurde eine neue Wash Still eingebaut und konnten dadurch die Produktion verdreifachen.

1976 wurde ein besonderes Energienutzungsprogramm gestartet, das nahezu einmalig in der Whiskyindustrie ist. Glen Garioch war die erste Destillerie, die in der Nordsee gefördertes Erdgas nutzte, um den Dampf zur Erhitzung der Stills zu produzieren.

Das warme Abwasser aus den Kondensern wurde genutzt um Gewächshäuser zu beheizen, die in der Nachbarschaft der Destillerie entstanden und zeitweise bis zu 180 Tonnen Tomaten jährlich erzeugten. Auch die beim Gärprozeß entstehenden Kohlendioxidgase wurden eingesetzt um das Wachstum der Früchte zu verbessern.

Der für den leicht getroften Whisky verwendete Torf kommt aus dem "New Pitsligo Moss" und wird vor der Verbrennung angefeuchtet, um den Verbrauch zu reduzieren.

Es sind 2 wash stills mit 10.000 und 20.000 Litern und 1 spirit still mit jeweils 11.000 Litern Kapazität vorhanden, mit denen etwa 1,2 Millionen Liter Alkohol pro Jahr erzeugt wird. Das zum Destillieren benötigte Malz wird noch in den eigenen Malzböden produziert, die aufgrund der Produktionsausweitung aber nur noch etwa 30% des Bedarfes decken können.

Trotz der Erfolge wurde die Destillerie 1995 vorübergehend außer Betrieb genommen, "mothballed" wie dies in der Whiskysprache genannt wird. Morrison-Bowmore dachte zwischenzeitig wohl auch an einen Verkauf, hat sich aber eines besseren besonnen und Glen Garioch, seit der Schließung von Glenugie und Glenury die östlichste Destilerie Schottlands, wieder reaktiviert.

Glen Garioch ist kein typischer Vertreter der Highland-Whiskies. Er besitzt eine torfige, rauchige Tiefe ähnlich den Islay-Whiskies, ohne jedoch deren medizinischen Charakter (von Jod) aufzuweisen. Stattdessen besitzt er ein blumiges, fruchtiges Bukett, wie es am stärksten bei den Speyside-Whiskies vorhanden ist. Länger gereifte Abfüllungen, wie unser 26-jähriger aus dem Fass Nr. 461 besitzen eine tiefe Bernsteinfarbe und weisen auf die verwendeten Fässer hin.